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Reisebericht Stockholm (September 2005)
         
  Viel Betrieb auf noch mehr Inseln

Ein Beitrag von Patrick Hollmann (FSK e.V.)
 
     
  Einleitung

Stockholm? In einem Reisebericht für Straßenbahnfreunde? Wie passt denn das zusammen? Haben die da nicht in den Sechzigern die Straßenbahn stillgelegt !?
Doch, haben sie. Aber nicht nur zwei Linien haben bis heute überlebt, es sind auch zwei (na ja, 1½) hinzugekommen. Nach wie vor fahren die Lidingöbanan und die Nockebybanan, 1991 kam die Djurgårdslinjen, eine Museumslinie im Stadtzentrum, zurück, und unjüngst eröffnete die Tvärbana, eine neue Stadtbahnlinie mit einigen straßenbündigen Abschnitten ihren Betrieb. Und auch dabei wird es möglicherweise (hoffentlich!) nicht bleiben.

Auch abseits aller Bahnen gibt es in Stockholm unendlich viel Schönes und Interessantes zu sehen und zu erleben. Stockholm ist einfach eine großartige Stadt, die sich über allerhand Inseln und Halbinseln erstreckt, weshalb sie auch „Venedig des Nordens“ genannt wird. Um 1252 entstand die heutige Gamla Stan, die Altstadt, und 1634 wurde Stockholm offiziell zur Hauptstadt Schwedens. Ende des 19. Jahrhunderts wuchs mit der beginnenden Industrialisierung Stockholm stark an. Heute ist die Stadt Regierungssitz, Universitätsstadt, kulturelles Zentrum und Verkehrsknoten Schwedens.
 
     
  SL

Der Stockholmer Nahverkehrsmix setzt sich aus Pendeltåg, Tunnelbana, Saltsjöbana, Roslagsbana, Lidingöbana, Nockebybana, Tvärbana, Buslinien und einigen Fähren zusammen.
Der gesamte Stockholmer Nahverkehr wird von der AB Storstockholms Lokaltrafik (SL) durchgeführt. Dabei obliegt die Betriebsabwicklung dem Unternehmen Connex. Nur für den Pendeltåg gibt es eine Gesellschaft „Citypendeln“, die mit Connex gemeinsam den Betrieb durchführt. Auch die Museumsstraßenbahnlinie 7 Östermalmstorg - Djurgården gehört zu SL. Das Verkehrsgebiet ist in fünf Tarifzonen eingeteilt, die auf jedem Netzplan klar und einfach zu erkennen sind. In Zone 5 gibt nur zwei Stationen, die beide außerhalb des Regierungsbezirks (etwa einem Bundesland vergleichbar) Stockholms län liegen.
Ein großer Teil der Verkehrsleistungen wird durch die oben aufgeführten Schienenverkehrsmittel erbracht, so zählte die Tunnelbana 1999 273 Millionen Fahrgäste.
Busverkehr findet fast ausschließlich als Zubringer zu Tunnelbana und Pendeltåg statt. Im Stadtzentrum gibt es vier Buslinien, die den Oberflächenverkehr abwickeln. Sie werden mit modernen Biogas-Gelenkbussen betrieben und verkehren in dichtem Takt. Während alle anderen Busse rot lackiert sind, tragen die Busse dieser Linien eine blaue Farbe.
 
     
 


Bild 1: Ein besonders alter Bus am Betriebshof AGA

 
  Der Zugang zu den Bahnsteigen der Tunnelbana und des Pendeltåg ist nur mit gültiger Fahrkarte möglich, was durch Bahnsteigsperren an jedem Eingang sichergestellt wird. Damit auch Rollstuhlfahrer und Kinderwagen, sowie Reisende mit Gepäckstücken problemlos Zugang finden, gibt es eine Gepäckpforte, die ebenfalls mit Fahrkarte zu öffnen ist. Von innen muss man einen Knopf drücken, und der an jedem Eingang in einem Glashaus sitzende Sperrenschaffner gibt die Pforte frei. Der Sperrenschaffner locht auch die Coupons.
Es werden Einzelfahrkarten und Zeitkarten verkauft. Der Verkauf findet an eigenen Vorverkaufsstellen, selten an Automaten und in Zeitschriftenläden „Pressbyrån“ statt. Haben diese geschlossen, oder sind sie nicht vorhanden, so ist ein Fahrkartenkauf in der Tunnelbana und beim Pendeltåg an der Bahnsteigsperre möglich, auf Lidingö-, Saltsjö- und Nockebybana beim Begleitschaffner, und im Bus beim Fahrer. Ist eine Tunnelbana- oder Pendeltåg-Station einmal unbesetzt und kein Fahrkartenkauf möglich, so löst man beim Aussteigen an der Zielhaltestelle nach. Bei einer Kontrolle schildert man sein Problem und kann zum normalen Tarif nachlösen. Die Personalien werden aufgenommen und die „Ausrede“ nachgeprüft. Schwarzfahren kostet 800,-- Kronen, das entspricht etwa 80,-- €.
Die Zeitkarten bestehen aus einer Papierkarte im Scheckkartenformat, die mit einem Magnetstreifen versehen ist, welcher beim Durchgang durch die Bahnsteigsperre eingelesen wird.
Es gibt aber auch „Bussremsa“, das sind Couponheftchen mit 10 oder 20 Abschnitten. Für eine Fahrt in einer Zone sind zwei Coupons zu entwerten, für jede überfahrene Zonengrenze kommt ein Coupon hinzu. Für die Fahrt nach Gnesta oder Bålsta (außerhalb Stockholms län) sind zwei weitere Coupons zu entwerten.
Die Zoneneinteilung ist nur für Fahrgäste mit Einzelfahrkarten oder Couponheftchen interessant, alle Zeitfahrkarten gelten für das gesamte Tarifgebiet.
 
     
  Quellen

Asker, Bertil et al. (Hsg.): The Stockholm Underground 1975, A Technical Description, Stockholms                                         läns landsting, Stockholm 1976.

Aspenberg, Nils Carl: Die Strassen- und Vorortbahnen in Stockholm, Baneforlaget, Oslo 1994.

Fröidh, Oskar: Sverige på spår, Frank Stenvalls Förlag, Malmö 2000.

 
     
   
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